Budget

Wieviel Geld braucht man eigentlich für eine solche Reise durch Afrika? Diese Frage wird uns sehr häufig gestellt und wir wollen sie mit diesem Artikel gerne beantworten.

Wir dokumentierten jeden einzelne Ausgabe während unserer Reise durch Westafrika und möchten hiermit einen Überblick verschaffen, wie sich diese Kosten aufteilen.

Lasst uns mit den Zahlen anfangen und später etwas mehr ins Detail gehen.

 

Anmerkung: Die Grafiken sind um einiges übersichtlicher auf Bildschirmen größer als Smartphone. 

 

 

Diese Übersicht beschreibt unsere Ausgaben in € in 340 Tagen oder etwas mehr als 11 Monaten auf der Strecke von Marokko nach Namibia durch Westafrika.
Wir hatten uns vorweg ein Budget von 50€ pro Tag gesetzt um alle in Afrika aufkommenden Kosten zu decken. Mit 52€ pro Tag bei einer Gesamtsumme von 17.676€ sind wir relativ nah dabei geblieben.
Auf Kilometer gerechnet entspricht dies Durchschnittskosten von etwa 0,60€ pro km.

Nicht mitinbegriffen sind die Kosten der Vorbereitung und die laufenden Kosten auf der Strecke durch Europa da beide extrem variabel sind. Unterschiede bestehen zum Beispiel in der Entfernung von Afrika, wie viel Zeit man in Europa verbringt, in welchen Unterkünften und mit wie vielen Aktivitäten, Arbeits- und Materialkosten im eigenen Umkreis, Fahrzeugpreise usw.. Die Fähre von Algeciras nach Marokko ist mitinbegriffen, die Heimflüge von Namibia sind es nicht. Auch die Kosten für eine Reisekrankenversicherung müssen extra berechnet werden, vor allem da hier große Unterschiede im Leistungsumfang und in den Beiträgen bei höherem Alter liegen. Dies hier ist lediglich ein Überblick über Ausgaben auf dem afrikanischen Kontinent wenn man in vergleichbarer Weise zu uns reist.

Für eine zweite Meinung zum Reisebudget können wir Nicks tolle Zusammenfassung von 2011 empfehlen (Englisch).

Langebaan Sunset: Our budget – 1 Year in Africa, 2x people + 1x4x4

The budget is probably the biggest question you ask after you have solved the „where are we going“ and „what vehicle are we taking“. It’s perhaps the one we spent several months researching.

 

Lasst uns die Kategorien noch im Detail anschauen.

 

Unterkunft

Mit 13,08% unserer Ausgaben ein großer Posten. Ein Blick auf die Grafik verrät die Aufteilung unserer Unterkünfte.

 

 

Wie man sieht haben wir mit nur wenigen Ausnahmen die meiste Zeit gecampt. Die einzigen Nächte in Gästehäusern verbrachten wir bei unserem Besuch auf den Bijagos Inseln und als Jasmine in Sierra Leone Malaria hatte. Kostenloses Camping beinhaltet Übernachtungen meist auf Parkplätzen von Hotels, Polizeistationen usw.. Bei Freunden durften wir die Gastfreundschaft von anderen Menschen genießen und hatten meist ein richtiges Bett zur Verfügung. Aus der Grafik ersichtlich wird auch, dass wir nicht so wahnsinnig viel im Buschen campiert haben, zumindest um einiges weniger als wir uns das erhofft hatten. Dafür gibt es drei Gründe, der wichtigste ist unsere Angewohnheit, in relativ langsamem Tempo zu reisen. Wir bleiben gern länger an einem Ort und haben dann meist eine Basis in Form von Campingplätzen bzw. Orten, die Camping erlauben. Mit dem eigenen Fahrzeug Überland zu reisen beinhaltet leider zu großen Teilen viel Sitzen und Fahren. Als Ausgleich erkunden wir gerne alle möglichen Orte und Städte zu Fuß und scheuen auch vor großen Distanzen nicht zurück. Außerdem begegnen wir den Menschen viel eher auf Augenhöhe und bekommen ein besseres Verständnis unserer Umgebung.
Der zweite Grund ist die hohe Bevölkerungsdichte Westafrikas, wo wir die meiste Zeit verbrachten. Ein abgelegenes Plätzchen zu finden gestaltet sich häufig sehr schwierig und zu Beginn unserer Reise waren wir auch vielleicht noch etwas zu schüchtern, einfach in ein Dorf zu fahren und dort um Erlaubnis zu bitten, unser Nachtlager aufschlagen zu dürfen. Dies bedeutet häufig aber, dass man die Dorfattraktion für diese Nacht ist und auf seine Privatsphäre verzichten muss.
Der dritte und eigentlich traurigste Grund ist der Zugang zu Internet. Um den Blog zu pflegen und zu aktualisieren sind wir häufig Campingplätze angefahren, welche kostenloses Internet zur Verfügung stellen. Häufig war dieses jedoch qualvoll langsam und manch einmal blieben wir deshalb länger als erwartet an einem Ort. Ein Reisen ohne Blogging würde uns definitiv einige Aufenthalte mit bezahltem Camping ersparen.

Unsere Schlussfolgerung zu dem Thema ist, dass wir in Zukunft häufiger versuchen werden wild zu übernachten. Damit lassen sich die Kosten geringer halten und auch der eine oder andere Aufenthalt in einem Dorf kann zu sehr bereichernden Erfahrungen führen. Internetmäßig sind wird mittlerweile dank eines besser ausgebauten Mobilfunknetzes flexibler hier im südlichen Afrika. Doch findet sich der beste Empfang und die schnellsten Übertragungsraten nun einmal in Städten, weshalb wir dort noch immer Campingplätze anfahren.

 

Diesel

Treibstoffkosten nahmen 17,8% unseres Budgets ein und sind somit der teuerste Posten. Insgesamt legten wir 29.684km in Africa zurück was durchschnittlich in etwa 87km pro Tag entspricht. Der Land Cruiser verbrauchte insgesamt 4075l Diesel und kommt somit auf einen Durchschnittsverbrauch von 13,7l/km. Hochgerechnet bezahlten wir durchschnittlich 0,77€/l.

Treibstoff ist wahrscheinlich der größte Kostenfaktor für die meisten Fahrzeugreisenden. Unser Land Cruiser ist vom Verbrauch her zwar ganz schön happig, steht aber einigen anderen Fahrzeugen noch weit hinterher. Einfachster Weg zur Ersparnis hier ist seine Reisegeschwindigkeit zu reduzieren, was das Risiko für schwere Unfälle auch immens eindämmen kann.

 

Lebensmittel & Getränke

Lebensmitteleinkäufe machten 14,81% unserer Reisekosten aus. Unter diese Kategorie fallen alle Lebensmittel und nicht-alkoholischen Getränke welche wir auf lokalen Märkten und in Supermärkten oder kleinen Läden erwerben. Wo auch immer möglich kaufen wir das meiste auf den Märkten oder am Straßenrand ein und genießen dies viel mehr als einen Besuch im anonymen Supermarkt. Erwähnenswert ist sicherlich, dass wir auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung wert legen und somit nicht jeden Abend Nudeln mit Ketchup essen wollen. Obst und Gemüse lässt sich häufig günstig finden, Proteinquellen sind aber meist teurer und teilweise von minderwertiger Qualität. Dennoch widerstanden wir den Versuchungen der exorbitant teuren französischen Supermärkte in West- und Zentralafrika meist.

Unser Tipp hier ist sich an den Einheimischen zu orientieren und so viel wie möglich saisonal und lokal einzukaufen. Märkte und Stände am Straßenrand haben meist ein fantastisches Preisleistungsverhältnis. Auf Softgetränke hätten wir häufiger verzichten können, jedoch bieten diese teils eine sehr willkommene Erleichterung an heißen Tagen.

 

Restaurant & Bar

Wir müssen uns fast ein bisschen schämen, dass unsere Restaurant- und Bar-Aufenthalte tatsächlich 15,61% unseres Budgets einnahmen. Die meiste Zeit kochen wir selbst und gehen nur sehr selten außerhalb essen, doch scheinen selbst diese Abende zu Buche zu schlagen. Wenn möglich essen wir meist Streetfood, was pro Portion selten mehr als 1€ kostet und immer sättigt. In sich dem europäischen Standard annähernden Restaurants liegen die Preise um einiges höher. Man muss aber auch beachten, dass wir häufiger kostenlos im Parkplatz von Hotels übernachten durften und uns meist mit einem oder mehreren Abendessen im Restaurant revanchierten. Teils war dies auch Bedingung für eine Übernachtung.

Alles in allem kann man hier nochmal eine gute Menge Kosten einsparen wenn man sich etwas beherrscht. Zumindest für uns besteht in diesem Bereich das meiste Verbesserungspotenziel ohne auf viel Lebensqualität verzichten zu müssen.

 

 

Visa & Dokumente

Traurigerweise mit 14,64% der Ausgaben auf dem gleichen Niveau mit Lebensmitteleinkäufen. Selbst kleine Länder wie Sierra Leone verlangen 100US$ pro Person für ein Visum. Man kann sich somit recht einfach ausrechnen, was da so alles zusammenkommt. West- und Zentralafrika ist in dieser Hinsicht wohl das teuerste Reisegebiet der Welt. Auch in diesen Kosten mitinbegriffen sind die Kosten, welche bei einer Einreise anfallen und die Verlängerung verschiedener Dokumente.

 

Auto

Hierzu zählen alle Reparaturen, Wartungsarbeiten und Ersatzteile des Land Cruisers. Überraschenderweise nahmen diese Faktoren insgesamt nur 3,77% unserer Gesamtausgaben ein. Alle Öle und Filter wurden stets zeitnah gewechselt und bis auf ein paar kaputte Stoßdämpfer fiel ansonsten nicht viel an. Kosten lassen sich in Grenzen halten durch regelmäßige Wartung und Sichtkontrolle sowie das Reisen mit einem gut ausgerüsteten Fahrzeug. Vor Antritt unserer Reise ersetzen wir einige Verschleißteile wie Bremsbeläge, Radlager und die Wasserpumpe und hatten somit keinerlei böse Überraschungen unterwegs.

 

Alkohol & Tabak

Witzigerweise mit 3,71% auf dem Gleichstand mit Fahrzeugausgaben. Wir sind keine starken Trinker, genießen jedoch ein oder zwei Bier oder Gläser Rotwein am Abend. Beer lässt sich normalerweise zu vernünftigen Preisen erwerben, Wein schlägt meist mit mehr zu Buche. Tabak beinhaltet unter anderem gelegentliche Shisha-Nutzung von Marokko bis Senegal.

 

Hier lässt sich sicher noch etwas einsparen, jedoch halten sich unsere Ausgaben im Vergleich zu einigen anderen Reisenden doch noch in humanen Grenzen.

 

Persönliches

Hierunter fallen Souvenirs, Trinkgelder, wohltätige Zwecke sowie persönliche Ausgaben wie Kleidung und Schuhe, welche einen größeren Teil der 5% vom Reisebudget ausmachen. Souvenirs kaufen wir nur von Zeit zu Zeit und dann meist vom Künstler selber. Wir finden dies ist ein weiterer Weg die Lokalbevölkerung zu unterstützen. Trinkgelder gaben wir nur in Ausnahmefällen, wenn uns jemand außergewöhnlich hilfreich war. Nicht mitinbegriffen sind Trinkgelder für Kellner, da wir finden, dass diese zu den Restaurantkosten dazugehören.

 

Ausrüstung

Mit 3,57% schlägt zusätzliche Ausrüstung oder die Reparatur letzterer zu Buche. Beispiele sind der Erwerb einer neuen Zeltmatratze in Gambia, einer Schaufel in Kamerun und Camping- bzw. Küchenutensilien.

 

Eintritt & Exkursionen

Hierunter fallen alle klassischen „Touristenausgaben“ wie Eintrittspreise zu Nationalparks, Museen oder anderen Orten, Bootsausflüge, Kino und lokale Führer. Wir gaben lediglich 2,82% unseres Budgets in dieser Kategorie aus, da sich in Westafrika vieles in Eigenregie besuchen lässt und häufig keine touristische Infrastruktur existiert.

 

Transport

Mit 1,75% fallen hierunter Kosten für Parken, Fähren, Mautstraßen, Taxis und öffentliche Verkehrsmittel. Vor allem die letzten beiden sind häufig sehr günstig.

 

Kommunikation

Die Kosten für Internet aber auch gelegentliche Telefonkosten und Postkarten belaufen sich auf 1,31% unseres Budgets.

 

Kosmetik & Waschen

Dies beinhaltet alle persönlichen Kosmetikartikel, Geschirrspül-Zubehör, Wäsche waschen und vor allem Klopapier! Vor allem letzteres ist manchmal ganz schön teuer und insgesamt liegen wir bei 1,16% des Reisebudgets. Waschmaschinen haben wir nur sehr selten vorgefunden und fast ausschließlich Handwäsche praktiziert.

 

Kfz-Versicherung

Häufig vorgeschrieben sollte man sich trotzdem nicht darauf verlassen, dass die lokal abgeschlossene Versicherung für irgendetwas gerade steht. Nur 0,71% der Reisekosten fielen hier an, da die Abschlüsse meist sehr günstig sind oder wie die ECOWAS Brown Card mehr als ein Land umfassen.

 

Brennstoff zum Kochen

Selber kochen ist billig! Wir benutzen Gas und mussten die 5kg Flasche ein paar mal auffüllen lassen. Auch Feuerholz und Grillanzünder fallen unter diese mit nur 0,22% zu Buche schlagende Kategorie.

 

Strafzettel & Schmiergeld

Wie weigern uns stets jedwede Art von Schmiergeld oder unbegründeten Strafen zu zahlen und händigen auch keine Feuerzeuge und Cola-Dosen aus. Man braucht etwas Humor und Geduld jedoch mussten wir niemals den mannigfaltigen Forderungen von Polizei, Immigration und Militär beigeben. Die einzige Strafzahlung belief sich über 5€ in Mauretanien weil wir an einer Polizeikontrolle nicht angehalten hatten. Damit kommt dieser Posten auf gewaltige 0,03% der Gesamtausgaben.