Lüderitz, Fish River Canyon und Abschied von Afrika (Juli 2014)

 

Eine schöne Piste etwas im Inland mit beeindruckenden Aussichten brachte uns zu einer weiteren kleinen Küstenstadt – Lüderitz. Wie in Swakopmund findet man hier noch heute viele gut erhaltene und renovierte Kolonialbauten vor. Das beste Beispiel bildet das Goerke-Haus, welches die Stadt neben der Felsenkirche überblickt. Lüderitz hat eine sehr entspannte Atmosphäre und wir schlenderten lange durch den Ort. Der Campingplatz hat eine fantastische Lage an der Spitze der Halbinsel, jedoch bläst der Wind wie an der Nordsee. Zum Mittag besuchten wir das Oyster Bar und genossen die so ziemlich besten und frischsten Austern, die man sich nur wünschen kann. Die Flasche Weißwein haute uns etwas von den Füßen aber am Abend waren wir wieder fit für das Weltmeisterschaftsspiel Deutschland gegen Brasilien. Die Stimmung im Barrel’s Pub war nach dem 7-1 Sieg grandios und die Fans in Deutschland haben sicher nicht härter gefeiert als die Einheimischen.

 

Direkt außerhalb von Lüderitz liegt die fantastische Geisterstadt Kolmanskuppe. Die Deutschen erbauten den Ort während des Diamantenrausches und statteten ihn mit allem nötigen und extravaganten aus inklusive Kegelbahn, Turnhalle und Eisfabrik – all das mitten in der Wüste. Heute erobert selbige das Aral zurück und die Gebäude versinken langsam im Sand – für Fotografen ein außergewöhnlicher Spielplatz. Mit blauem Himmel und Sonnenschein anstatt erwartetem Nebel erkundeten wir noch die Lüderitz-Halbinsel mit seinen vielen Flamingos und Mondlandschaften.

 

Ein wenig spektakulärer Fahrtag brachte uns an den Orange River, welcher als Grenze zwischen Namibia und Südafrika fungiert. Die Straße schlängelte sich schön dem Fluss entlang und die Landschaften des uns umgebenden Richtersveld Transfrontierparks sind außergewöhnlich mit vielen Köcherbäumen, welche wie von einem anderen Planeten wirken. Das Highlight der Gegend ist der Fish River Canyon, welcher die größte Schlucht Afrikas ist und mit spektakulären Aussichten aufwartet. Die Nacht verbrachten wir in einem der wenigen Köcherwaldbäume und wurden prompt von angriffslustigen Bienen belästigt, welche es sich zur Aufgabe gemacht hatten, uns in die Kopfhaut zu stechen.

 

Auf dem Rückweg nach Windhoek besuchten wir noch den Brukaros-Krater, einen ehemaligen Vulkan. Die Besteigung des Kraterrands belohnte uns mit gewaltigen Aussichten und des nachts bewunderten wir tausende Sterne am Himmel.

Und damit war es auch an der Zeit, Afrika für eine Weile den Rücken zu kehren. Wir waren seit mehr als einem Jahr unterwegs und die Finanzen sahen nicht mehr allzu rosig aus. Also planten wir, in Europa etwas Saisonarbeit zu verrichten und mit aufgefrischtem Konto wieder zurückzukehren. Der Land Cruiser wurde auf einer Farm in der Nähe des Flughafens geparkt und wir bestiegen das Flugzeug nach Johannesburg. Mit einem für uns typischen „Glück“ verpassten wir den Anschlussflug nach Doha und hatten die Wahl, entweder mehrere Tage am Flughafen festzusitzen oder die letzten Plätze im Lufthansa-Flug nach Frankfurt für 1500€ zu besetzen… wir waren müde, ausgelaugt und wurden vom Immigrationsbeamten gewarnt, dass wir mehr als einmal nicht bis in die Flughafenhalle zum Kontakt mit den Fluglinien-Büros gelassen werden. Also gaben wir unsere letzten Kreuzer für einen zweiten Heimflug aus und bestiegen den Airbus. Auf bald, Afrika!

Rückblickend hatten wir eine fantastische Reise mit all seinen Höhepunkten und Tiefschlägen und kehrten wieder einmal als veränderte Menschen in die Heimat zurück.

Kommentar verfassen