Durchquerung der angolanischen Namib-Wüste (Mai 2014)

Die Namib-Wüste streckt sich über ca. 2000km die atlantische Küste entlang durch Angola, Namibia und Südafrika und ist die einzige echte Wüste des südlichen Afrika sowie wahrscheinlich die älteste der Welt. Hier findet man die zweithöchsten Sanddünen weltweit an der Küste und Richtung Innland dominieren Schotterebenen und bergige Felslandschaft.

Das Gebiet auf der angolanischen Seite wurde uns wärmstens von Andrew empfohlen und wir freuten uns auf einen etwas abenteuerlicheren Abstecher. Im kleinen Ort Tombua fanden wir tatsächlich eine Zapfsäule und Diesel vor, so dass wir nocheinmal für die kommenden 850km auffüllen konnten. Da wir nie vernünftigen Ersatz für das Kraftstoffventil gefunden hatten, welches zum Erweiterungstank umschaltet, nutzen wir alle verfügbaren Kraftstoffkanister und selbst 5l-Wasserflaschen. Von Tombua aus gibt es zwei Möglichkeiten die Mündung des Kunene-Fluß zu erreichen. Ein Weg führt direkt am Meer entlang mit hohen Sanddünen auf der einen und stattlichen Wellen auf der anderen Seite, getrennt von einem dünnen Streifen Strand. Wenn man die Gezeiten nicht richtig erwischt, stecken bleibt oder von einer Welle getroffen wird kann man sein Auto und sich selbst abschreiben, falls man nicht im Konvoi unterwegs ist. Hier lebt keine Menschenseele. Dies klang zwar spannend, jedoch wollten wir es nicht allein riskieren und entschieden uns für die Alternativroute östlich der Sanddünen.

Vor der Abzweigung gen Südosten besuchten wir den Arco-See, welcher sich von Zeit zu Zeit mit Wasser füllt und das Betreiben von etwas Landwirtschaft erlaubt. Die Gegend ist sehr schön mit einem riesigen Sandsteinbogen und hohen Felsen, jedoch war zu der Zeit leider kein Wasser vorhanden. Der Piste in die Wüste entlang trafen wir eine Esel-Karavane und sahen einen Fluß in der Hitze glitzern, Geröll und Sand dominierte jedoch die Landschaft. Auf einem kleinen Hügel schlugen wir unser Lager auf inmitten von kleineren Welwitschia Mirabilis Pflanzen mit fantastischem Sternekino.

Am Folgetag zeigte sich die Landschaft etwas begrünter und wir folgten endlosen Zäunen der Fazendas (großflächige Farmen) ohne eine Spur von Menschen oder Farmgebäuden zu sehen. Springböcke und Steinböcke ließen sich blicken und wir bewunderten das größte bekannte Welwitschia Mirabilis Exemplar welches hunderte wenn nicht tausende Jahre alt sein muss. Ein kleiner Abstecher führte uns zu den heißen Quellen von Pediva mit schüchternen Dorfbewohnern und mehr Kühen als Wildtieren bevor wir ein mächtiges deplatziert wirkendes Tor in den Iona Nationalpark durchquerten. Selbst hier war keine Menschenseele in Sicht und wir folgten einem trockenen und sandigen Flußlauf mit felsigen Hügeln zu beiden Seiten und vereinzelten Himba-Hütten sowie Wildpferden. Die spitz hervorstehenden Felsen ließen die Umgebung häufig wie ein versteinertes Waldland wirken und die Piste wurde rauer, steiler und zeitweise sehr eng.

Ein Abbiegen gen Westen brachte uns näher an die Küste und alle Vegetation verschwand wieder, um weiten Geröllflächen Platz zu machen welche nur duch sehr vereinzelte Bäume unterbrochen wurden. Wir erspähten die ersten Gemsböcke welche lange Strecken ohne Wasser zurücklegen können und ihren Urin trocken ablassen, um keine Flüssigkeit zu verlieren. Sehr überraschend war das Wrack eines amerikanischen Straßenschiffs mitten im Nirgendwo. Wie es hierher kam, warum und von wem wird wohl ein Mysterium bleiben.

Einen sandigen Track entlang folgten wir zum Ufer des Kunene und einem unserer schönsten Buschcamps überhaupt. Ein paar Tüpfel Grün hier und da und Namibia auf der gegenüberliegenden Seite mit sich haushoch auftürmenden Sanddünen. Beim Versuch nah an den Fluß heran zu kommen fuhren wir uns völligst im weichen Sand fest. Selbst niedrigster Reifenluftdruck und viel Schaufelei ließ den Land Cruiser nur noch tiefer sinken. Zeit die Sandbleche vom Dach zu holen, dachten wir uns, jedoch waren diese mit einem Vorhängeschloss gesichert welches so viel Sand und Dreck im vergangenen Jahr angesammelt hatte, dass es sich nicht mehr öffnen lassen wollte. Anstattdessen trugen wir schwere und relativ flache Steine und Felsen vom Ufer heran, um einen festen Untergrund zu schaffen. Es verlangte uns einige Versuche und viel Schweiß ab, bis wir das Auto wieder auf festerem Untergrund befördert hatten und gerade noch die Sonne untergehen sahen. Davon abgesehen genossen wir zwei wunderbare Nächte an diesem besonderen Ort, ich versuchte mich mal wieder wenig erfolgreich mit dem Angeln, Jasmine backte Brot über offenem Feuer im Gußeisentopf und wir versuchten, die vielen Tierspuren zu deuten, welche sich jeden Morgen um unser Auto fanden. Eine große Katze war definitiv dabei. Die einzigen Tiere, die wir tatsächlich beobachteten, waren die daumengroßen weißen Käfer, welche sich immer gegenseitig durch die Gegend zu tragen schienen. Wir vermuten um weniger Kontakt mit dem sehr heißen Sand zu haben, sowie dass die weiße Färbung die Sonne reflektieren soll.

Nach Durchqueren eines Dünengebiets erreichten wir dann die Kunene-Mündung mit einem kleinen Polizeiposten und starkem Wind. Die südafrikanischen Angler und der Manager von der Flamingo Lodge trafen wir hier wieder. Sie waren die Küste entlang gefahren und hätten beinahe eines der Fahrzeuge verloren, als es von einer Welle getroffen wurde. Da sie einen riesigen Fisch nach dem anderen aus dem Meer zu fischen schienen, machte auch ich mich nocheinmal ans Angeln und konnte tatsächlich zwei vernünftig große Exemplare an Land ziehen. Die Mündung ist jedoch wohl eines der fischreichsten Gebiete Afrikas, wogegen selbst mein Pech nicht mehr ankam. Hunderte große Meeresschildkröten genossen ebenso das Nahrungsangebot und steckten alle paar Minuten ihre Köpfe aus dem Wasser, um nach Luft zu schnappen.

Die Nacht verbrachten wir in einem steinigen Teil der Wüste und genossen die absolut überwältigende Stille in Kombination mit frisch gegrilltem Fisch, welcher überraschenderweise wie Forelle schmeckte.

Die Tagesetappe darauf war lang und rau mit hunderten kleinen trockenen Flußdurchquerungen und sehr scharfkantigem Geröll. Mehrmals setze der Land Cruiser hinten an den Rockslidern auf. Die Szenerie blieb jedoch beeindruckend und wir erspähten weitere Himba-Hütten und simple Rindergehege bevor wir mit Blick auf die Berge campierten. Erst am Folgetag trafen wir auf eine richtige Siedlung mit regem Kommen und Gehen der im Umland lebenden Stammesmitglieder. Auch die Piste wurde sanfter und entlang des Weges trafen wir auf viele Himba und Semba und hatten eine besonders nette Begegnung und Photoshooting mit einer Gruppe letzterer. Je näher wir wieder dem Kunene kamen, desto häufiger fanden wir auch ihre Siedlungen vor. Nach einem letzten angolanischen Buschcamp erreichten wir die Grenze Namibias bei Ruacana. In der vergangenen Woche waren wir sage und schreibe 6 Fahrzeugen begegnet.

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