Die spektakulären Küsten und das kühle Hochland Angolas (Mai 2014)

 

Am Tag nach Anfang der Malariakur hieß es dann Abschied nehmen und wir bedankten uns für Marios außergewöhnliche Gastfreundschaft. Entlang einer rauen Piste ging es durch menschenleere Landschaft die Küste entlang gen Süden. Die Tagesaufgabe bestand darin, von einem Lkw über viele Kilometer hinweg heruntergefallene Tomaten aufzulesen. Das mag jetzt zwar seltsam klingen, berücksichtigt man aber, dass ein Eimer Tomaten in Angola gut und gerne 20US$ kosten kann, mag man unsere Freude über kostenloses Gemüse besser verstehen. Am Abend fuhren wir inzwischen vereinzelter Büsche etwas abseits der Piste und errichteten unser Nachtlager, doch uns war noch keine Ruhe vergönnt. Während des Abendessens rannte ein großer schwarzer Skorpion zwischen unseren Füßen herum. Wenige Minuten später hörten wir Stimmen welche nach Zurufen zu rennen begannen. Irgendwie war uns das alles nicht ganz so geheuer hier mitten im Nirgendwo, weshalb wir das Dachzelt einpackten und versuchten unseren Weg im Dunkeln inzwischen der Büsche zurück zur Piste zu finden. Wir endeten jedoch zuerst in einem riesigen Spinnennetz und ein faustgroßes gelbes Exemplar starrte uns durch die Windschutzscheibe entgegen. Schlussendlich fanden wir den Weg zurück und fuhren noch für etwa eine halbe Stunde weiter, bevor wir am Pistenrand übernachteten.

Weiter südlich kehrte der Asphalt zurück und die Umgebung zeigte sich immer mehr wüstenhaft. Wir fanden einen kleinen Track, welcher zu einem spektakulären Strand führte. Massive Wellen brachen auf der einen Seite und haushohe Klippen ragten auf der anderen Seite empor. An einer kleinen Schlucht schlugen wir unser Lager auf und genossen die Einsamkeit. Zum ersten Mal seit langem gab es wieder ein Lagerfeuer und wir ließen es uns bei gegrilltem Käse und im Gusseisentopf zubereitetem Eintopf gut gehen. In den kommenden Tagen sahen wir nur einen einzigen anderen Menschen, ein Einheimischer welcher doch tatsächlich mit einem Land Cruiser der gleichen Baureihe wie unserer den Strand entlang tuckerte! Von ihm abgesehen waren unsere einzige Gesellschaft die ab und zu in den Wellen springenden Delfine.

Nach ein paar Tagen folgten wir weiteren sich an der Küste entlang schlängelnden Tracks und fanden ein kleines Fischerdorf, welches ein bisschen einer „Geisterstadt“ gleichte. Ein verlassenes Herrenhaus aus der Kolonialzeit überragte den Ort und Fischerboote verrosteten am Strand. Der Ozean zeigte sich im herrlichsten Türkis. Weiter südlich bogen wir an der kleinen Küstenstadt Namibe in Richtung Inland ab. Die Straße führte an den Rand des sich durch Angola und Namibia ziehenden Plateaus und einem der spektakulärsten Pässe Afrikas. Auf engen Serpentinen krochen wir den Serra da Leba Pass hinauf und legten innerhalb von 10km etwa 1800 Höhenmeter zurück. Wir hielten an der Spitze angekommen an und genossen die gewaltige Aussicht bei einem kalten angolanischen Cuca-Bier.

In der Stadt Lubango angekommen fuhren wir hinauf zur Jesus-Statue, welche die Stadt überblickt und ein kleineres Abbild des bekannten Originals in Brasilien ist. Noch immer zieren Einschusslöcher Teile des armen Kerls. Am Nachmittag erreichten wir dann einen weiteren beeindruckenden Ort namens Tundavala. Hier fällt das Plateau in etwa 1000m steil ab und in der Vergangenheit wurden überführte Kriminelle die Klippen hinunter geschubst. An diese grausame Historie erinnert heute nichts mehr und die gesamte Gegend ist unglaublich schön. Etwas abseits schlugen wir für ein paar Nächte unser Lager mit gewaltigen Sonnenuntergängen und grandioser Weitsicht auf. Unsere Lagerfeuer waren nötig wie seit Marokko nicht mehr, da sich die Temperaturen zum ersten Mal seit langem dem Gefrierpunkt näherten.

Auf dem Rückweg zur Küste hatten wir das Vergnügen, den Serra da Leba Pass noch einmal und diesmal bergab zu befahren. Leider entschied sich die GoPro-Kamera in einer der Haarnadelkurven vom Auto abzufallen und wir mussten einen sehr ungünstig gelegen Stop einhalten. Wir planten in den kommenden Tagen die Namibe-Wüste zu erkunden, was eine etwas minutiösere Planung und Vorbereitung als unsere normalen Abstecher nötig machte. Der Land Cruiser wurde bis zum Rand mit Diesel gefüllt, wir bunkerten mehr Wasser als wir erwarteten zu brauchen und nahmen ein letztes erfrischendes Bad im Atlantik. Gen Süden fing dann die visuell offensichtliche Wüste an und wir folgten dem ausgetrockneten Flußbett des Flamingo-Flusses in Richtung Strand. Hier erspähten wir nun unsere ersten eleganten Springböcke und die nur in der Namibe-Wüste vorkommenden Welwitschia Mirabilis Pflanzen. Diese werden bis zu 2000 Jahre alt, bestehen aus einigen robusten bodennahen Blättern und wachsen nur extrem langsam. An der Mündung des Trockenflusses angekommen statteten wir der dort gelegenen und südafrikanisch geführten Flamingo Lodge einen Besuch ab. Ich versuchte mal wieder mein Glück mit dem Angeln, das Resultat sollte altbekannt sein. Wir campierten an der Lodge und verbrachten den Abend mit den einzigen anderen Gästen, drei Sportfischern aus Südafrika. Am morgen darauf erkundeten wir die Gegend noch etwas und besuchten eine sehr interessante kleine Schlucht. Zurück durch den Fluss und auf der Straße ging es dann nach Tombua für die letzte unsichere Tankgelegenheit vor der Wüstendurchquerung.

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