Luanda, Lobito und angolanische Gastfreundschaft (April-Mai 2014)

 

Wie verbrachten etwa eine Woche mit Andrew, Christina und ihrer unglaublich niedlichen Tochter Savannah in Luanda. Während dieser Zeit bekamen wir einen kleinen Einblick in das Leben in dieser Millionenstadt abseits der ummauerten Reichenviertel für ausländische Arbeitskräfte. Längerandauernde Stromausfälle sind hier and der Tagesordnung und auch Trinkwasser muss in eigenen Tanks gelagert werden, da man nie genau weiß, wann auch diese Grundversorgung mal wieder zusammenbricht. Luandas Seepromenade und Halbinsel sind gut ausgebaut und modern mit einigen gut erhaltenen kolonialen Gebäuden und stehen im direkten Kontrast zu den Armenvierteln etwas weiter entfernt vom Meer, welche mit ihrer an Hängen gelegenen Lage stark and die Favelas Brasiliens erinnern. Etwa die hälfte der über 6 Millionen Einwohner leben unter der Armutsgrenze und einige wenige leben im exzessiven Reichtum. Der Stadtverkehr kann ein wahrer Alptraum sein, die Straßen sind entweder brandneu oder holprige Pisten und Restaurantpreise erreichen astronomische Höhen. Andererseits gibt es entgegen weitläufiger Meinung aber auch viele gut sortierte Supermärkte mit angemessenen Preisen. Overlander haben noch einen weiteren Vorteil, da der lokale Yacht Club kostenloses Camping mit Blick auf die Skyline Luandas erlaubt. Während unseres Aufenthalts hier genossen wir die außergewöhnliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft unserer Gastgeber, besuchten das toll restaurierte und die Stadt überblickende Fort Sao Miguel, ließen ein paar geringfügige Wartungen am Auto durchführen und schafften es sogar, einen Vietnamesen zu finden, welcher sich unserer kaputten Laptopladebuchse annahm – ein Problem, welches uns seit Kamerun begleitete.

Nach dem Aufstocken unserer Vorräte verließen wir schlussendlich Luanda in östlicher Richtung, um die Kalandula Fälle zu besichtigen. Diese gehören zu den größten Wasserfällen Afrikas und sind glücklicherweise touristisch so gut wie kaum erschlossen. Wir genossen die beeindruckenden Wassermassen so nah an der Regenzeit und ließen langsam die Sonne untergehen. Auf der Suche nach einem Platz zum Übernächtigen fuhren wir im Dunkeln entlang enger Pfade zu einem hübschen kleinen Wasserfall, welchen Andrew uns empfohlen hatte. Bei Ankunft wurden wir sofort von hunderten Insekten umschwärmt und schliefen wenig später zum beruhigenden Rauschen des Wassers ein.

Nach einer erfrischenden morgendlichen Dusche in den Fällen entfernte ich die vordere Abdeckung des Land Cruisers, um an die Kühler des Motors und der Klimaanlage zu kommen. Auf den stark überwachsenen Tracks im Norden Angolas hatten sich dort tausende kleiner Samen, Gras und Schlamm verfangen, welche jetzt mühsam mit einer Haarnadel wieder entfernt werden mussten. Eine einfache Kühlerschürze hätte uns diese stundenlange Arbeit sicher erspart aber man ist im Nachhinein ja immer etwas schlauer. Später am Tag hielten wir an einer unserer geliebten Straßenbuden, welche sich überall in West- und Zentralafrika finden lassen und immer ein frisch zubereitetes Gericht zu günstigsten Preisen anbieten. Normalerweise handelt es sich um lokales Grundnahrungsmittel wie Knollenfrüchte oder Kochbananen oder importierten Reis mit einer würzigen Sauße und etwas Fleisch oder Fisch. Dieses Mal genossen wir einen deftigen Ziegeneintopf bevor wir uns auf den Weg in Richtung der Pedras Negras machten. Diese Felsformationen haben eine schwarze Färbung und ragen prominent aus der umliegenden Landschaft hervor. Wir hatten das Vergnügen, unser Buschcamp inzwischen dieser Felsen zu errichten und genossen den fantastischen Sonnenuntergang. Zum Sonnenaufgang bestiegen wir nocheinmal einen der riesigen Felsen während ein mystischer Nebel über der Landschaft hing.

Wir verließen Angolas gut ausgebaute Teerstraßen und folgten einem schmalen und überwachsenen Track bis zu einer Fazenda in den Bergen. Hier erstanden wir 3kg lokal angebauten und gerösteten Kaffee, welcher unserer langen Durststrecke mit löslichem Kaffeepulver ein Ende bereitete. Die später folgenden Tankstellen hatten allesamt keinen Treibstoff und auf den letzten Tropfen Diesel rollten wir in eine der versorgten Servicestationen ein. Auf der Suche nach einem Buschcamp folgten wir einem Track welcher später nur noch ein Trampelpfad war, als wir auf einmal die komplette Luft aus einem der Hinterreifen verloren. Ein aus dem Busch ragendes Stück Metall hatte die Seitenflanke aufgeschlitzt. Im Dunkeln reparierte ich die Flanke notdürftig mit vulkanisierenden Reperaturstreifen. Eigentlich sollte dies nur auf der Reifenlauffläche funktionieren. Überraschenderweise fuhren wir noch viele tausend Kilometer auf diesem geflickten Reifen in Angola und Namibia. Schlussendlich schlugen wir unser Camp am Rand des Pfades auf, da es zu dunkel zum Weiterfahren war.

Am nächsten Morgen um 5:30 in der früh weckten uns vorbeikommende einheimische Frauen durch ihre Gespräche. Sie grüßten zwar, waren aber eindeutig etwas in Furcht vor den seltsamen Weißbroten und ihrem alten Fahrzeug. Wir entschieden uns aufzubrechen, bevor das gesamte naheliegende Dorf von unserer Existenz erfuhr und folgten der Straße in die Berge. Dichter Nebel legte sich über die Landschaft und die Sicht war häufig auf gerade einmal 5m beschränkt. Als der Nebel sich lichtete wurden wir mit einer wunderbar kurvigen Fahrt mit aus der Landschaft herausragenden Monolithen bis zum kleinen Ort Seles belohnt. Zurück an der Küste versuchten wir Zugang zum Strand zu erlangen. Wir endeten jedoch immer auf irgendwelchen Feldern und in Sackgassen, weshalb wir entschieden weiter nach Lobito zu fahren. Hier hatten wir eine Einladung von Mario dem Präsidenten des angolanischen Land Cruiser Clubs erhalten, welcher von unserer Reise durch sein Heimatland gehört hatte. Die an der Küste gelegene Stadt befindet sich in uriger Lage direkt am Meer umgeben von sandigen Hügeln mit keinerlei natürlicher Vegetation. Die einen natürlichen Hafen bildende Halbinsel erinnterte uns stark an die Ilha in Luanda und einige Kolonialarchitektur befindet sich noch in gutem Zustand. An der Spitze der Halbinsel durften wir beim Zulu Restaurant kostenlos am Strand unser Lager aufschlagen und trafen die Schweizer Gianni & Fabienne, welche in entgegengesetzter Richtung unterwegs waren. Witzigerweise starteten wir unsere Reisen fast zeitgleich und hätten uns sicherlich schon früher auf der Ostroute getroffen, hätten die beiden nicht die allerletzte Fähre aus der Türkei erwischt, welche wir verpasst hatten. Wir verbrachten einen schönen Abend zusammen mit den beiden und Mario, welcher uns zum Abendessen einlud.

Mario lud uns ein, temporär in seinem alten portugiesischen Haus einzuziehen und wir verbrachten die darauf folgenden Tage auf Entdeckungstour mit ihm rund um Lobito. Wir genossen das fantastische Essen der Meeresfrüchterestaurants, besuchten die Ruinen ehemaliger portugiesischer Forts, besuchten die spektakuläre Küste bei Caotinha, bekamen einen Land Cruiser Service und eine neue Autobatterie in seiner Werkstatt und verlängerten unser Angola-Visum bei der Immigrationsbehörde im nahegelegenen Benguela, welche Jasmine aufgrund ihrer unangemessenen Kleidung nicht betreten durfte. 😉 Nach unserer Rückkehr nach Lobito fing ich an starkes Fieber zu entwickeln und blieb im Bett, während Jasmine mit Mario zum Abendessen ausging. Am nächsten Tag steig das Fieber auf über 40°C mit einigen weiteren Symptomen, weshalb ich einen der Malaria-Selbsttests aus Sierra Leone durchführte – mit negativem Ergebniss. Also holten wir am Folgetag unsere Pässe aus Benguela ab. Da es mir aber immer schlechter ging, ging ich zu einem kleinen Labor, welches Bluttests für ausschließlich Malaria und Typhus durchführt. Der Malariatest hier war dann doch positiv und beim Besuch der lokalen von einem netten Libanesen geführten Apotheke bekamen wir die angemessenen Medikamente. Am nächsten Tag ging es mir dann schon wieder etwas besser und wir verbrachten einen letzten schönen Abend mit Mario. Generell schien meine Malariainfektion weitaus weniger drastisch als Jasmines in Angola zu verlaufen.

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