Angola – wir haben’s geschafft! (April 2014)

Die wenigen Kilometer durch Matadi zur angolanischen Grenze fühlten sich wie Stunden an. Wir steckten in starkem Lkw-Verkehr fest, welcher sich langsam die matschige Piste entlang arbeitete. Ab und zu wurden wir von Ausblicken auf den gewaltigen Kongo entschädigt. Endlich am Grenzposten angekommen mussten Landrover sowie Land Cruiser mit laufenden Motoren geparkt werden, da unsere Starterbatterien in letzter Zeit stark gelitten hatten und wir schon am morgen überbrücken mussten. Die Formalitäten wurden bekannt afrikanisch und somit entspannt und ohne Eile erledigt. Der Gesundheitsbeauftragte des Postens, welcher normalerweise nur die Gelbfieber-Impfung überprüfen würde, kam bei Ansicht unserer Einreisestempel nach Guinea ins Stocken. Ebola war gerade dort ausgebrochen und da die Demokratische Republik Kongo bis dato am meisten unter dieser Krankheit gelitten hatte, wurde der gute Mann sehr besorgt. Glücklicherweise erinnerte er sich aber daran, dass die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit viel kürzer war als die von uns seitdem in Afrika verbrachten Monate.

Die Einreise nach Angola dauerte ein Weilchen und wir trafen erstmals auf etwas ernsthaftere Sprachbarrieren, da keiner von uns des Portugiesischen mächtig war. Ein Mix aus Englisch und Französisch brachte uns aber weiter. Der Drucker des Postens hatte den Geist aufgegeben und ohne Kopien von Pass und Visum auszuhändigen, durften wir nicht weiterfahren. Im Dorf auf der kongolesischen Seite sollte es aber einen geben. Also ging es für Mark und mich praktisch illegal zu Fuß zurück in den Kongo. Nach einigem Herumfragen wurden wir zu einer Hütte am Hang geführt, welche voller elektronischer Geräte war und aussah wie ein Lager für Hehlerware. Aber unsere Kopien bekamen wir hier. Zurück in Angola mussten wir einem Polizisten auf Motorrad zur nahegelegenen Polizeistation hinterherfahren. Hier musst noch einmal alles in ein großes Buch eingetragen werden, jedoch sprach niemand mehr eine andere Sprache als Portugiesisch. Mittlerweile war es schon spät am Nachmittag und wir durften unser Nachtlager im Polizeihof aufschlagen. An diesem Tag sind wir gewaltige 7km voran gekommen, doch unsere Erleichterung war ersichtlich! Wir waren in Angola, dem Sorgenkind unserer Reise. Von nun an gab es keine Visa-Probleme mehr, der Zeitdruck war Geschichte und wir freuten uns auf einen vollen Monat für die Erkundung dieses Landes.

Nach einer unruhigen Nacht mit geschäftigem Kommen und Gehen von Polizeiautos und lauten Diskussionen zwischen den Beamten ging es in Richtung M’banza Congo weiter. Die mit Schlaglöcher übersäte Piste gab bald chinesischen Straßenarbeiten nach und wenig später befanden wir uns auf wunderbarstem Asphalt. So sehr wir Geländefahren und Pisten auch lieben, waren Teerstraßen auf unserer Reise doch häufig eine willkommene Erleichterung nach langwierigen rauen Passagen. Die Kleinstadt M’banza Congo liegt schön gelegen in grünen Hügeln und wartet mit dem ältesten europäischen Gebäude südlich der Sahara in Form einer alten Kirche auf. Heute stehen nur noch ein paar Wände.

Leider ist Angola für viele Overlander noch immer ein Durchreiseland. Einer der Gründe hierfür sollen wohl die astronomisch hohen Preise im Allgemeinen sein. Wir besuchten also einen kleinen Supermarkt und waren positiv überrascht. Im Vergleich mit den irrsinnig teuren französischen Supermärkten West- und Zentralafrikas hielt sich hier noch alles in humanen Bereichen auf. Zumindest Bier und Chorizo waren sogar verhältnismäßig günstig und was braucht man mehr? 🙂

Auf dem Weg zur Küste hielten wir nach einem geeigneten Stellplatz Ausschau. Angola ist aufgrund des langen Bürgerkrieges noch immer eins der am stärksten verminten Ländern Afrikas, weshalb wir uns wenn möglich nur an Orten abseits der Straßen hinstellen wollten, welche offensichtlich schon vorher von Menschen oder Tieren betreten wurden. Wir fanden einen solchen in Form einer vom Straßenbau zurückgebliebenen Kiesfläche hinter einigen Büschen und genossen einen fantastischen Sonnenuntergang.

Am Folgetag stießen wir auf die Küste bei N’zeto wo gerade ein Sturm sein Unwesen trieb. Tatsächlich schon etwas gelangweilt vom Asphalt bogen wir auf eine kleine Piste ab, welche sich an der Küste entlang in Richtung Ambriz schlängelte. In diesem kleinen Ort fanden wir noch viele Überbleibsel des Bürgerkriegs in Form von Ruinen vor. Am Hafen verhandelten wir relativ erfolglos für etwas fangfrischen Fisch, aber an der Kommunikation haperte es etwas. Ein kleiner Junge machte uns schlussendlich ein gutes Angebot und wir zogen die Küste entlang auf der Suche nach einem schönen Übernachtungsplatz. Was wir fanden überstieg unsere Erwartungen – eine windgeschützte Bucht mit schönen Klippen und einem Strand ganz für uns alleine. Ein perfekter Ort für eine Weile Entspannung.

Ursprünglich wollten wir Angolas Hauptstadt Luanda links liegen lassen, da sie als eine der teuersten Städte Afrikas mit horrendem Verkehr bekannt ist. Außerdem mussten wir zum ersten Mal seit langem nicht mehr die Hauptstädte in Suche nach Visa anfahren. Doch wurden wir eines Besuches überzeugt, da wir uns seit einiger Zeit mit Andrew und Tina in Kontakt befanden. Andrew ist in Angola aufgewachsen und die beiden hatten ein paar Jahre zuvor Afrika mit einem Landrover umrundet. Nun lebten und arbeiteten sie in Angola.

Wir fuhren den Track die Küste entlang gen Süden und wurden mit allen möglichen Offroadpassagen belohnt – von Sand über Furchen und Löcher bis tiefen Schlamm war alles dabei. Unter anderem fanden wir uns auch in einer Schießübung des Militärs wider, welches glücklicherweise wenig Interesse an uns hatte. Wir konnten noch von weitem die abgeschossenen Panzerfäuste hören. An einer Gabelung im Weg verabschiedeten wir uns von unseren langwierigen Reisegefährten Mark und Doro, welche sich noch für eine Weile an einem Fluss niederlassen und Luana vermeiden wollten. Zum ersten Mal seit Abuja in Nigeria waren wir damit wieder allein unterwegs. Nie hätten wir gedacht, dass wir so lange mit einem anderen Paar hätten reisen können und bedanken uns hiermit noch einmal für die schönen Abende, Bergungshilfen und geteilten Visa-Nöte!

Auf dem Rückweg zur Teerstraße wurde der Track immer haariger mit tiefen, mit Wasser und Schlamm gefüllten Passagen. Normalerweise gab es häufig eine Umfahrung, jedoch war durch den dichten Busch vorher nicht einsehbar, welche der beiden Wege nun zu welcher Kategorie gehörte. Einmal falsch abgebogen fanden wir uns in Tiefstschlamm wider und pflügten durch ein Loch nach dem anderen, bis wir im tiefsten zum Stehen kamen und das braune Wasser über die Motorhaube schwappte. Mit aufschreiendem Motor und vielem Vor und Zurück konnten wir uns aus unserer misslichen Lage jedoch gerade so befreien und im Rückwärtsgang zurück zur Weggabelung pflügen. Zwischenzeitlich wurden wir von aggressiven Tsetse-Fliegen attackiert. Jasmine wurde in den Bauch gebissen, was zwar schmerzhaft, zunächst aber nicht weiter schlimm war. Erst als wir aus dem Busch hervor kamen und auf die Straße abbogen setze eine allergische Reaktion ein und ein roter Ausschlag machte sich über ihren Körper breit. In weniger als einer halben Stunde war ihr gesamter Körper von Pusteln und dicken Blasen übersät. Zu diesem Zeitpunkt befanden wir uns in einer extrem spärlich besiedelten Region und noch Stunden von der Hauptstadt entfernt. Jasmine wurde fast wahnsinnig vor Schmerzen und Juckreiz und konnte nicht einmal das Gewicht von Kleidung auf ihrer Haut ertragen. Ich fuhr so schnell es ging, um zu einem Krankenhaus zu kommen, hatte jedoch wenig Hoffnung bevor Luanda. An einer Polizeikontrolle versuchte ich den Polizisten klar zu machen, in welch misslicher Lage wir uns befanden und nach einem angewiderten Blick auf Jasmines Ausschlag wurden wir durchgewunken. Nach kurzer Zeit tauchte auf einmal ein Schild und ein großes Gebäude auf der linken Seite auf. Ein U-Turn brachte die Erlösung – es war doch tatsächlich ein Krankenhaus hier mitten im Nirgendwo! Manchmal hat man einfach Glück im Unglück. Ein kubanischer Doktor kümmerte sich um Jasmine und wir erklärten in einem Mix aus Französisch und Englisch was geschehen war. Nach zwei Infusionen gingen die Schwellungen langsam zurück. Jedoch konnte Jasmine sich kaum mehr auf den Beinen halten. Als ich mich erkundigte, was wir dem Krankenhaus schuldig waren, verlautete der Doktor, dass es sich um ein staatliches Krankenhaus handle und die Behandlung somit kostenlos sei!

Schlussendlich erreichten wir spät am Abend Luanda und konnten den schlimmsten Verkehr vermeiden, da es Sonntag war. Am Yachtclub trafen wir auf Andrew und wurden zu ihm nach Hause eingeladen. Heilfroh, sich in einem richtigen Bett erholen zu können fiel Jasmine in einen tiefen Schlaf, während ich mich noch lange mit Andrew und Tina unterhielt.

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