Durch die Casamance nach Guinea-Bissau (November-Dezember 2013)

 

Die verbleibende Zeit in Sukuta verbrachten wir damit, zahlreiche kleinere und größere Dinge zu erledigen wie zum Beispiel das Finden einer neuen Matratze für unser Dachzelt, Anfertigen lassen eines T-Stücks aus Bremsleitung als Ersatz für unser kaputtes Kraftstoff-Magnetventil, Aufstocken mit geräuchertem Käse und Polony aus England, der Installation von 12V-Ventilatoren im Land Cruiser und im Dachzelt und der endgültigen Reparatur unseres Keramik-Wasserfilters.

Wir waren erleichtert, als alles in trockenen Tüchern war und wir endlich weiterziehen konnten – diesmal in Richtung Kartong, dem südlichsten Küstendorf Gambias.

Auf dem Weg dahin hielten wir in Gunjur und spazierten etwas umher. Gunjur ist einer der geschäftigsten Fischerhäfen in Gambia, jedoch wird noch alles per Hand und mit hölzernen Pirogen gemacht, was dem Örtchen eine entspannte Atmosphäre bewahrt.

Kartong war uns schon lange vor der geplanten Afrika-Reise ein Begriff, da Jasmines ehemalige Schule zusammen mit weiteren im Gebiet Alingsas eine Partnerschaft mit der St. Martin’s School vor Ort führt. In der Zeit vor Weihnachten veranstalteten diese Schulen regelmäßig einen Gambia-Bazar, wo von den Gambischen Schülern angefertigter Schmuck verkauft wurde um Geld für neue Projekte zu sammeln.

Natürlich wollten wir uns die Schule etwas genauer anschauen und wurden gleich vom Bibliothekar Philip im Empfang genommen, welcher uns eine kleine Besichtigungstour gab. Wir erfuhren, dass die St. Martins School 800-900 Schüler besuchen, von denen etwa 750 ihre Bildung durch Schwedische Patenschaften ermöglicht wird. Am Ende unseres Besuchs wurden wir noch zu Chorproben in der örtlichen Kirche am Folgetag eingeladen.

Also suchten wir uns eine kleine Lodge aus für die Nacht und campierten unter einem riesigen schattenspendenden Baum. Wir waren eine der wenigen Gäste, da die Saison erst wirklich im Februar anfängt und konnten somit einen menschenleeren Strand genießen.

Die Chorproben am nächsten Abend hinterließen uns tief beeindruckt von der Freude und Energie, mit welcher Schüler wie auch älteren Studenten an ihren Gesangskünsten feilten. Unser Lieblingsstück bestand aus einem Mix aus Jola, Wolof, Swahili und Französisch unterstützt von einer Djembe-Trommel, welches noch lange in unseren Ohren nachklang.

Damit war es dann auch an der Zeit, Gambia den Rücken zu kehren und wieder nach Senegal einzureisen. Die Grenzüberquerung war ein Kinderspiel mit herumhüpfenden Hühnern und keinerlei Forderungen nach Geld oder Cadeau. Nicht zum ersten Mal mussten wir jedoch erklären, wie man ein Carnet de Passage auszufüllen hat.

Zurück in Französisch-sprachigen Gefilden überraschten uns die Menschen mit ihrer Freundlichkeit und Gelassenheit, die uns umgebenden Landschaften strotzen nur so vor Grün und unsere Laune war bestens. Das Fahrrad ist das mit Abstand am verbreitetste Transportmittel in der Casamance und selbst schwere Ladungen an Kohle oder Feuerholz werden mit zwei anstatt vier Rädern bewegt. Das Tagesziel war Kafountine und das Wiedertreffen mit Sigi, den wir schon in Gambia kennengelernt hatten und der mit seinem uralten Robur jährlich in Westafrika unterwegs ist. Wir kamen bestens unter in Stef’s schönem, schattigem Campement. Zuvor verzögerte uns noch ein Selbstmord-Hühnchen, welches hoffentlich als leckeres Abendessen bei jemandem endete.

Kafountine an sich ist ein sehr geschäftiger Ort mit einigen guten Restaurants, Bars und Lodges, alles in allem jedoch nicht zu touristisch, weshalb wir ein paar Tage verweilten. Der erste von zwei Ausflügen führte uns zusammen mit Sigi auf ausgeliehenen Fahrrädern ins nahegelegene Abene. Der Mittag wurde mit kühlem Bier am abermalig menschenleeren Strand verbracht, bevor wir uns auf den Weg zu einem gut durchdachten Projekt (afrique-lien.org) von Kurt Koch machten. Kurt hat eine komplette Schreinerei aufgebaut mit einem riesigen Maschinenpark aus der Schweiz. Ziel ist die Produktion von hochwertigen Holzartikeln und vor allem die Ausbildung Einheimischer bis zum in Europa anerkannten Meister. Falls jemand in der Gegend ist, lohnt sich ein Abstecher auf jeden Fall und Kurt freut sich immer über Besucher, die Interesse an seinem Projekt zeigen.

Zwei Tage später ging es im Morgengrauen mit einem Boot raus auf die Bolongs, um unser Glück beim Angeln zu versuchen. Nach ein paar Stunden mit wenig Erfolg fing Joseph (halbjährig in Deutschland lebender Senegalese) den ersten Barrakuda. Wenig später legte Jasmine mit einem Prachtexemplar nach, welches sich am Abend auf dem Grill wiederfand. Wir unterschätzen die Größe des Fisches jedoch und hätten vorher noch mindestens 6 weitere Gäste einladen sollen. Wir vier bekamen unsere Eiweißschocks und die Hunde ein Festmahl am nächsten Morgen.

In Ziguinchor fanden wir mit der Hilfe eines Soldaten das Guinea-Bissau-Konsulat, welches kürzlich umgezogen ist. Nach 10 Minuten Warten hatten wir schon unseres Visen in der Hand und konnten uns auf den Weg in Richtung Cap Skiring machen. Die Fahrt ging durch weitläufige Reisfelder, überwachsene Dörfer und zwischen riesigen Kapok-Bäumen hindurch. Nördlich von Cap Skiring fanden wir eine Piste, die uns direkt an den Strand führte, wo wir unser Lager für drei Nächte aufschlugen. Die einzigen vorbeikommenden Menschen waren ein paar Französische Angler und gesprächige Dorfbewohner auf dem Weg nach Hause. Leider fanden wir keinen Platz am Auto für den riesigen Schildkröten-Panzer, welchen wir ein paar Meter von unserem Camp entfernt fanden. Der menschenleere Strand war jedoch perfekt für morgendliches Joggen gefolgt von einem abkühlenden Sprung in die Wellen. Das Dorf Djembering etwas weiter nördlich war sehr entspannt zu erkunden mit freundlichen Bewohnern und immer ein paar Kindern an unserer Hand. Cap Skiring selbst ist ein Paradies für Land Cruiser Enthusiasten. Wir sahen in zwei Besuchen insgesamt 6 Stück der 40er Baureihe, mehr als irgendwo sonst zuvor.

Nach mehr als einem Monat insgesamt in Senegal war es dann auch an der Zeit, ein neues Land zu erkunden. Die Grenzüberquerung nach Guinea-Bissau stellte sich als sehr entspannt heraus, jedoch erreichten wir zum ersten Mal in einem Land, wo nicht einmal unsere rudimentären Französischkenntnisse uns weiterhelfen konnten. Portugiesisch ist zwar die Amtssprache, die meisten Menschen sprechen jedoch Kreol. Die Offiziellen waren alle sehr freundlich und freuten sich so sehr über Touristen, dass uns die Straßennutzungs-Steuer erlassen wurde. Die Kosten beliefen sich lediglich auf 2000CFA (3€) für das Registrieren von Führerschein und Fahrzeug. Einer der Grenzer hatte eine diebische Freude daran, Jasmine mehrmals auf das Fußballspiel zwischen Schweden und Portugal zur WM-Qualifikation hinzuweisen, in welchem Ronaldo drei, Ibrahimovic jedoch nur zwei Tore schoss. 🙂

Der erste Polizei-Kontrollposten versuchte noch, uns weiszumachen, dass unsere Fahrzeuganmeldung bei Grenzübertritt ungültig wurde. Er handelte sich selbst von 1000, über 500 auf 200CFA, um eine Auge zuzudrücken, herunter, musste sich jedoch mit einem freundlichen Händeschütteln begnügen.

Die Sonne stand schon tief am Horizont und die Straße nach Bissau war zwar durchgehend geteert, wies jedoch eine Menge Schlaglöcher auf. Also versuchten wir so schnell wie möglich voran zu kommen. Die vereinzelten Polizei-Kontrollen verlangten meist 1000CFA von uns und waren sogar zu faul, sich irgendein Fantasie-Vergehen auszudenken. Mit etwas Geduld kamen wir jedoch immer ums Zahlen herum, doch schafften wir es nicht vor Sonnenuntergang nach Bissau. Die verbliebenen Kilometer bis zur Hauptstadt waren reichlich ermüdend, da man die Schlaglöcher aufgrund des grundsätzlich mit Fernlicht fahrenden Gegenverkehrs erst im letzten Moment sehen konnte. Schlussendlich erreichten wir Bissau und schlugen unser Camp in einem von einem Deutschen geführten Restaurant und Campement etwa einen Kilometer vom Flughafen entfernt auf.

Bissau hinterlässt nicht wirklich das Gefühl, dass man sich in einer Hauptstadt befindet. Die Stadt lässt sich eher mit einem mittelgroßen Senegalesischen Ort vergleichen und besitzt keinerlei zuverlässige Wasserversorgung oder ausgebautes Elektrizitätsnetzwerk, weshalb man überall Generatoren brummen hört. Der heruntergekommene Stadtkern lässt sich jedoch belästigungsfrei erkunden und weist eine sehr entspannte Atmosphäre auf.

Am Montag ging es dann zur Botschaft von Nigeria, wo wir das normalerweise schwierig zu erstehende Visum beantragen wollten. Die alte Botschaft wurde vor ein paar Monaten gestürmt und angezündet, weshalb die Diplomaten ein neues Gebäude direkt bei uns ums Eck bezogen haben. Der Botschafter war ein sehr freundlicher Mensch, fragte uns zu anfangs noch nach Kontakten im Land, stellte sich dann aber mit dem Beschreiben unserer geplanten Reiseroute zufrieden. Wir bekamen sogar Tipps, was man sich nicht entgehen lassen sollte. Wir wurden gebeten, um 15:00 am selben Tag zurückzukommen und hielten bei Rückkehr unsere Visen in der Hand. Der Spaß kostete uns 40.000CFA pro Person und wir durften uns das Einreisedatum frei aussuchen, was auch nicht immer gegeben ist. Alles in allem war es eines der leichtesten Visum-Prozesse bisher. Die Wartezeit verbrachten wir mit dem Erkunden des Stadtzentrums und Fabian gönnte sich ein paar Fleischspieße für 100CFA (0,15€) pro Stück. 🙂

Am Folgetag ging es wieder nach Bissau und dem Konsulat von Guinea Conakry. Auch dieses Visum war einfach zu erlangen, doch als der Sekretär uns den Preis für 3 Monate Aufenthalt nannte, bekamen wir fast einen Herzstillstand – 90.000CFA (137€) pro Person. Wir begnügten uns mit 2 Monaten für 60.000CFA (91€) pro Person und durften unsere Pässe um 14:00 am gleichen Tag abholen. Nach diesem Schock brauchten wir erst mal einen Drink und machten uns auf in eine kleine Bar, wo ein paar zu viele leckere Caipirinhas unsere Geister wieder belebte. 🙂

Das Erfragen der Abfahrtszeit der Fähre auf die Insel Bubaque erbrachte uns ein Déjà-vu von Gambia – das Schiff war derzeit kaputt. Da wir die Überfahrt ungern in einer der überfüllten Pirogen, welche mit gewisser Regelmäßigkeit zu sinken scheinen, machen wollten, warteten wir bis heute und hatten Glück – morgen um 12:00 geht es rüber auf die Bjagos-Inseln!

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