Drogen und kaputte Fähren (November 2013)

 

Unsere ersten Erfahrungen in Gambia hinterließen einen etwas faden Beigeschmack. Der Grenzübergang war noch recht einfach zu meistern mit lustigen Beamten auf der Gambischen Seite. Der Senegalesische Polizist versuchte natürlich eine erfundene Gebühr (5000CFA) für die Ausreise mit dem Fahrzeug zu kassieren – ohne Erfolg. Nach Besuch von Gambias Immigration, Zoll und Polizei waren wir schon fast unterwegs als der Vorgesetzte uns noch zur Drogenkontrolle bat. Die Prozedur dauerte in etwa eine Stunde und wir mussten jedes einzelne Medikament in unserem Arzneikasten erklären. Jasmines Anti-Baby-Pillen stießen auf Verwunderung. Warum wir nicht so viele Kinder wie möglich erzeugen wollen würden erschloss sich den Beamten nicht wirklich. Alle waren jedoch sehr freundlich und ließen uns schlussendlich in Richtung Barra und der Fähre nach Banjul weiterziehen.

Etwa 20 Minuten später kamen wir dort an und waren sofort umringt von Schleppern und anderen falschen Freunden. Leider war unter den Nervensägen auch ein weiterer Drogenpolizist welchen wir zunächst wie den Rest ignorierten und in Ruhe parkten. Ohne Uniform und nur mit einem Ausweis wie mit Paint selbstgebastelt bewaffnet war er nur schwer von den anderen Gestalten zu unterscheiden – und nicht gerade erfreut darüber. Also ging es zur Polizeistation und unserer zweiten kompletten Fahrzeugdurchsuchung innerhalb von 20 Minuten und 20km. Wir erklärten, dass wir gerade erst durchsucht wurden und wenig Möglichkeiten hatten, uns unterwegs mit Drogen zu versorgen. Der Gute log uns an und meinte er hätte die Grenzstation angerufen, was Jasmine richtig auf die Palme brachte und der arme Kerl sah sich einem Schimpfanfall ausgesetzt. Er versuchte dann tatsächlich jemanden an der Grenze zu erreichen aber ohne Erfolg. Also folgte Fabian ihm in sein Büro mit der ersten Ladung an Campingstühlen und dem Unterwäscherucksack als sein Boss auftauchte. Anscheinend hatten wir genug Lärm gemacht und durften unsere Utensilien zurück zum Auto bringen wo ein weiteres Mal der komplette Arzneikasten erläutert werden musste bevor wir entlassen wurden.

Anschließend stellte sich heraus, dass die Fährverbindung nach Banjul im Moment nicht funktionstüchtig war. Zwei der drei normalerweise verkehrenden Schiffe bekamen gerade neue Motoren verpasst und die dritte Fähre entschied sich am Vortag auch noch den Geist aufzugeben. Die Entscheidung wurde getroffen, bis zum nächsten Tag zu warten, da die Chancen angeblich gut standen, dass der Schaden über Nacht repariert werden würde. Der Chef der Hafensicherheit nahm uns unter seine Fittiche, da Barra ja so ein gefährliches Pflaster sei und jeder dort ein Dieb oder Betrüger. Wir wollten tatsächlich ungern die Nacht dort verbringen und wurden zu ihm nach Hause eingeladen, wo wir seine Familie und Nachbarn kennenlernten und von seiner Frau bekocht wurden. Es gab das traditionelle Gambische Gericht Domoda (Reis mit einer Erdnusssauce und Fisch in diesem Fall) sowie gegrillten Fisch, welchen wir zuvor geschenkt bekamen als wir einem lokalen Fischer beim Einholen seiner Piroge halfen.

Natürlich war die Fähre am Folgetag noch immer nicht funktionstüchtig, weshalb wir uns Richtung Farafenni im Inland und der am nächsten liegenden Fährverbindung machten. Wir genossen die Fahrt entlang des Nordufers mit kleinen Dörfern entlang der Straße und saftigem Grün zu allen Seiten. Senegal war schon recht bewachsen wegen der erst kürzlich zu Ende gegangenen Regenzeit, aber Gambia strotze nur so vor Palmen, hohen Bäumen mit riesigen Wurzeln, Gräsern und Kräutern. Die Flussüberquerung nahm ein paar Stunden in Anspruch, da der gesamte Lkw- und Taxi-Verkehr seit zwei Tagen dorthin umgeleitet wurde. Die Nacht verbrachten wir im Tendaba Camp direkt am Gambia-Fluss. Zu dieser Jahreszeit erscheint der Fluss fast wie ein See mit kaum Fließgeschwindigkeit und seiner Breite.

Von Tendaba ging es direkt zur Hauptstadt Banjul und Serrekunda südlich davon. Polizei- und Militärposten waren sehr zahlreich an beiden Ufern von und nach Farafenni. Hier seien nur zwei herausstechende Begebenheiten erwähnt.

In Farafenni wurden etwa 100m der Hauptstraße nur zu Benutzung bei Notfällen erklärt mit einer Umfahrung links davon. Direkt danach wartet schon die Polizei auf ahnungslose Opfer, um ihr Gehalt etwas aufzubessern. Wir fuhren natürlich direkt in die Falle und Fabian wurde zur Polizeistation direkt nebenan beordert, wo zwei Amerikaner schon mit dem Offiziellen am Argumentieren waren. Die beiden Uniformierten hatten die „Guter Cop – Böser Cop“-Masche am Laufen und der Gute Cop empfahl, dem Bösen Cop eine kleine Spende für sein Frühstück zukommen zu lassen um eine Strafe zu vermeiden. Anstatt dessen gab Fabian ihm ein bisschen Ehrlichkeit über seine Meinung über die Gambischen Offiziellen und unserem allgemeinen Willkommenheitsgefühl in ihrem Land bisher. Der Gute Cop war etwas simpel gestrickt und gab zu, wie gerne er Touristen für dieses Vergehen zur Kasse bittet und war reichlich stolz, dass er vor seinen eigenen Landsleuten auch nicht Halt machen würde. Schlussendlich redete sich Fabian aus der Situation heraus und wir durften weiterziehen.

Am Südufer wurden wir von Militärpersonal angehalten, welche unseren Gummisaugnäpfen von iPod- und Navigationslaptop-Halter sehr misstrauisch gegenüber standen. Sie waren tatsächlich überzeugt davon, dass es sich um Videokameras handele und es erforderte einige Demonstrationen über die Funktionsweise von Saugnäpfen, um ihr Misstrauen zu besänftigen. Lustiger weise befand sich nur einen halben Meter höher außen an der Windschutzscheibe unsere GoPro-Videokamera, welche komplett übersehen wurde. 🙂

Derzeit befinden wir uns im Sukuta Camping nahe Serrekunda, Gambias größter Stadt. Wie immer erledigen wir fast alles zu Fuß und kommen so schnell mit den Einheimischen in Kontakt, welche ausgesprochen freundlich sind und ein Gruß und die Frage nach dem Wohlbefinden ist das Mindeste, was man beim Vorbeigehen von jedem erwarten kann.

In Banjul gab es dann noch unser Sierra Leone Visum, welches mit 100USD pro Person sehr teuer ist, aber noch am gleichen Tag ausgestellt wurde anstatt der normalen drei Tage Wartezeit.

Kommentar verfassen