Schluchten, Wüste und Offroading (August-September 2013)

 

Wir sind zurück in der Zivilisation – in der größeren Stadt Marrakesch um genau zu sein – nach einer Woche Fahrt über Gebirge, entlang der Anfänge der Sahara und durch tiefe Schluchten. Wieder einmal hat uns Marokko mit seiner unglaublichen landschaftlichen Vielfalt beeindruckt und auch wir sind mittlerweile überzeugt davon, dass es unmöglich ist mit einem Besuch alles Sehenswerte abzudecken.

Nach unserer kleinen Pause im Norden von Meknes kamen wir nicht so weit wie gedacht. Ein netter kleiner Magen-Darm-Infekt ließ Fabian wenig Ruhe, weshalb wir abermals einen Campingplatz aufsuchten – diesmal voller Pflaumen- und Feigenbäume sehr zu Jasmines Gefallen. Danach ging es entlang der Route de Cèdres südlich von Azrou auf die Suche nach den gefährdeten Berberaffen. Diese waren nicht einfach zu entdecken zwischen den gleichfarbigen Felsen und Bäumen und sobald erspäht auch sehr scheu. Die Strecke an sich durch für Marokko untypische Zedernwälder war jedoch sehr schön und wir erreichten schlussendlich einen flachen See mit vielen Vögeln und einer entspannten Atmosphäre. Auf dem Weg nach Midelt etwas später wurden wir von einigen weitaus weniger scheuen Berberaffen überrascht, welche am Wegesrand saßen und Müll aßen – eine etwas desillusionierende Begegnung nach stundenlangem Suchen in den Wäldern. 😉

Auf einem Campingplatz etwas nördlich von Midelt trafen wir wieder auf Annette und Andreas, welche wir schon in Fez und Meknes über den Weg liefen. Die beiden sind mit ihrem Hilux mit Absetzkabine auch auf dem Weg nach Südafrika und die Ostküste wieder hinauf. Schön zu wissen, dass wir nicht ganz allein unterwegs sind, da die Westküste derzeit doch recht wenig bereist wird. Wir entschieden uns, etwas später zusammen die Verbindungsstrecke zwischen Todra- und Dades-Schlucht zu fahren.

Doch zuerst freuten wir uns auf etwas Pistenfahren und unser Reiseführer empfahl den Cirque de Jaffar als gut befahrbar mit schönen Aussichten auf den Hohen Atlas. Es stellte sich heraus, dass die Piste schon lange nicht mehr in gutem Zustand war und wir meist mit Untersetzung im ersten oder zweiten Gang unterwegs waren. Wir hatten trotzdem, beziehungsweise gerade deshalb einen Heidenspaß und genossen die Szenerie und die Berge. Auch unser Land Cruiser freute sich, endlich wieder in gewohntem Terrain unterwegs sein zu dürfen.

In Richtung Süden überquerten wir am folgenden Tag den Hohen Atlas an einem seiner niedrigeren Pässe gefolgt von einer Fahrt durch die beeindruckenden Ziz-Schluchten, wo wir unter Palmen einen kleinen gemütlichen Campingplatz für uns allein hatten. Auf ein freundliches Willkommen mit frisch gepflückten Datteln und Minztee folgte ein Spaziergang durch die Obstgärten und Palmplantage. 

Die Wüste rief nach uns in Form der Erg Chebbi Dünen im Südosten Marokkos. Noch nicht wirklich Teil der Sahara sind die rötlichen Dünen doch sehr hübsch anzusehen, vor allem in Hinblick auf ihre Zugänglichkeit. Wir nahmen die Piste von Erfoud entlang Erg Chebbi Richtung Merzouga, wo sich die größten Dünen befinden und verbrachten die Nacht bei einem traditionell aus Lehm errichteten Hotel direkt vor selbigen. Für umgerechnet nicht einmal 3€ durften wir im bewachsenen Hinterhof campen, den Pool inklusive Handtücher benutzen und bekamen Tee und Nüsse zur Begrüßung sowie die Einladung, vom Frühstücksbüffet für Hotelgäste zu speisen. Letzteres lehnten wir dankend ab, um uns bei dem Preis nicht allzu schuldig zu fühlen. 😉

Das erwartete warme Abendlicht über den Dünen wollte sich nicht blicken lassen, doch ein Sandsturm an den vorherigen zwei Tagen ließ alles sehr unberührt aussehen ganz ohne Fußabdrücke oder Reifenspuren.

Gewohnheitsmäßig erreichten wir an die höchste Düne zur schlechtmöglichsten Zeit – der vollen Mittagshitze. Dies konnte uns aber nicht von einer Besteigung abhalten, welche die meiste sportliche Betätigung in Wochen darstellte und uns fix und fertig hinterließ. Die Belohnung war eine wunderbare Aussicht über das doch recht kompakte Sandmeer.

Obwohl ein weiterer Tag bei Merzouga nicht unwillkommen gewesen wäre, war es an der Zeit uns Richtung Todra-Schlucht und unserem Treffen mit Annette und Andreas aufzumachen. Die Schlucht an sich überraschte uns mit üppiger Grüne, endlosen Palmen und Lehmdörfern nach einer längeren Fahrt durch unwirtliche Felswüste. Der kleine Campingplatz inmitten der Schlucht hatte ein angenehm kühles Klima und viel Schatten – sehr willkommen nach der Hitze der Vortage. Am Morgen stießen Martin und Vicky mit ihrem T3 Syncro noch zu uns, um gemeinsam die anstehende Piste zu befahren. Zu unserem Schreck mussten wir am Vortag knackende und schleifende Geräusche aus der Getriebegegend beim Rückwärtsfahren vernehmen. Fabian kroch also unters Auto um sich das Problem genauer anzuschauen, nur um festzustellen, dass das Verteilergetriebe einen extrem geringen Ölstand hatte. Kurz vor der Abfahrt wurden beim Kupplungswechsel nochmal alle Öle ausgetauscht, weshalb dies uns sehr überraschte. Nachdem unsere handbetriebene Mini-Getriebeölpumpe fast heiß gelaufen war, ließen die Geräusche nach und wir machten uns auf den Weg mit etwas Verspätung. Die Entscheidung fiel auf die längere Strecke vom Dorf Agoudal gen Westen anstatt der kürzeren Verbindung nördlich von Tamtatoucht. Belohnt wurden wir mit ständig wechselnder Szenerie, einer schönen Piste mit wenigen gröberen Sektionen und unglaublichen Ausblicken auf die Hohen Atlas Berge. Bei Erreichen der Dades-Schlucht neigte sich der Tag schon dem Ende zu und wir nächtigten in einem ausgetrockneten Flussbett nicht weit von der Straße (wir sind uns darüber bewusst, dass dies nicht das Allerschlauste ist, da selbst entfernte Regengüsse einen Fluss schnell eher weniger ausgetrocknet hinterlassen können). Der Platz war sehr schön, abgesehen von dem Rudel Wildhunde, welches um viertel vor 7 bellend und kämpfend die Schlucht auf und ab lief. 🙂

Auf dem Weg nach Marrakesch machten wir Halt bei einer der besterhaltenen, beziehungsweise restaurierten befestigten Lehmdörfer, welches als Szenerie für viele Filme wie zum Beispiel Gladiator diente. Natürlich waren wir auch hier zur heißesten Tageszeit, hatten den Ort dafür aber fast für uns allein. Nach einer längeren Fahrt über den Tizi n`Tichka Pass des Hohen Atlas mit seinen vielen Serpentinen erreichten wir abermals die flacheren Gegenden des Nordens.

Der Land Cruiser verlangte nach etwas Aufmerksamkeit und bekam neue Spurstangenköpfe und einen überfälligen Ölwechsel verpasst. Zwei Abende verbrachten wir auf dem berühmten Platz Jemaa el-Fnaa mit seinen Geschichtenerzählern, Schlangenbeschwörern, endlosen Essens- und Orangensaftständen und den unzähligen Straßenmusikanten. Sich mit den Leuten treiben zu lassen ist ein klasse Gefühl und die pure Energie der sich versammelnden Menschenmassen inspirierend.

Morgen geht es wieder etwas Richtung Süden in die Atlasberge und zum höchsten Berg Nordafrikas, wo wir endlich etwas körperliche Ertüchtigung in Form einer 3-tägigen Wanderung erfahren werden bevor es Richtung Rabat und unserem Visum für Mauritanien geht.

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