Ein unerwarteter Umweg durch halb Europa (Juli 2013)

Da wir mittlerweile schon in Italien in der Nähe von Banjo di Gavorrano sind, dachten wir uns es sei an der Zeit, endlich einmal unseren ersten Blogeintrag zu verfassen. 🙂

Wir starteten unsere Reise am 10. Juli, nachdem wir am Wochenende zuvor eine kleine Abschiedsfeier hatten. Nach einem ausgedehnten Frühstück mit der Familie konnte es endlich losgehen. Mit gemischten Gefühlen ging es Richtung Süden doch die Freude darüber, dass wir nach so langer Planung, Arbeit und Vorbereitung endlichen unterwegs waren, überwiegte schnell. Unser erstes Ziel war Berlin, wo wir uns mit Fabians älterer Schwester Nicky treffen und auf dem Weg dahin noch mehrere Kleinigkeiten erledigen wollten. Wir waren nicht in Eile und schlugen unser erstes Nachtlager im Abendglühen zwischen zwei Kornfeldern im Osten Deutschlands auf. Hier hatten wir dann die Chance, einige der neu angeschafften Camping-Utensilien auszutesten. Den darauf folgenden Tag verbrachten wir mit Nicky und unglaublich leckerem Indischen Essen in Berlin.

Auf dem Weg Richtung Tschechische Republik am selben Nachmittag hatten wir unser erstes Fahrzeug-Problem. Nach einer längeren Steigung auf der Autobahn versagte der Motor langsam und ließ uns am Straßenrand enden. Dies war das allererste Mal, dass uns der Land Cruiser im Stich ließ und das schon am zweiten Tag unserer Reise! Nach anfänglicher Enttäuschung machten wir uns auf die Suche nach der Ursache und fanden schnell heraus, dass die Dieselleitungen komplett trocken waren. Da wir kurz zuvor auf den Zusatztank umgeschaltet hatten, wechselten wir nun zum so gut wie leeren Haupttank zurück und versuchten manuell zu entlüften. Der Erfolg blieb aus und wir mussten den ADAC für etwas extra Diesel rufen und nach längerem Versuchen sprang der Motor endlich wieder an. Da es schon anfing zu dämmern, machten wir uns schnell auf die Suche nach einem Nachtlager. Wie wir später herausfanden, war das Problem anscheinend ein blockierter Vorfilter direkt hinter dem Zusatztzank, welchen wir einfach herausnahmen.

Die nächsten Tage verbrachten wir damit, über die Tschechische Republik, Österreich entlang des schönen Enns-Tals und Slowenien nach Kroatien zu fahren, um ins kühle Nass des Mittelmeers zu springen. Die komplett überfüllten Badeorte ließen uns nicht lange verweilen und wir fuhren die Küste gen Süden entlang. Es war eine traumhafte Strecke, doch entschieden wir bald, dass wir die ursprünglich geplante Strecke entlang des Mittelmeers zeitlich niemals bewerkstelligen konnten. Unsere Saison-Kennzeichen würden Ende Juli auslaufen, weshalb wir uns fürs Befahren der Autobahn durch Serbien und Bulgarien bis in die Türkei entschieden. Serbiens zerfallene Gebäude und verlassene Geschäfte haben uns doch etwas überrascht, vor allem da sich die immensen Unterschiede sofort nach der Grenze zu Kroatien offenbarten. In Bulgarien mussten wir an einem bewachten Parkplatz an der Autobahn übernachten, da sich kein annehmbarer Stellplatz abseits der Autobahn finden ließ und es schon dämmerte.

Wir hatten Riesenglück, dass es freies WLAN auf dem Parkplatz gab, so dass wir uns über die unstete Situation in Ägypten informieren konnten. Leider waren die Neuigkeiten schlimmer als erwartet, da die Fähre von Inskenderun in der Türkei nach Port Said in Ägypten wegen der Unruhen in letztgenanntem Land eingestellt wurde. Es traf uns zwar nicht völlig unvorbereitet, ließ unsere geplante Route aber undurchführbar werden. Eine Fährüberfahrt nach Israel und die darauf folgende Einreise nach Ägypten über Land fiel als Option weg, da Fabian zuvor ein zweiter Reisepass verwehrt wurde und ein Israelischer Stempel im Pass zu späteren Problemen z.B. bei der Einreise in den Sudan führen würde. Nach einem diskussionsreichen Abend entschieden wir uns dafür, zurück zu unserem ursprünglichen Plan, die Westküste Afrikas entlang zu fahren, zu wechseln. Wir hatten diese Route zuvor in Anbetracht der Schwierigkeiten bei der Visabeschaffung für z.B. Angola aufgegeben und uns stattdessen für die Ostroute entschieden. Nun waren wir unerwarteterweise wieder auf altem Kurs und voller Vorfreude auf Westafrika. Hätten wir an diesem Abend nicht zufällig Zugang zum Internet gehabt, wären wir wohl die 1400km bis Iskenderun weiter und damit quasi in die völlig falsche Richtung gefahren. 🙂

Also bogen wir so schnell wie möglich von der Autobahn ab und fuhren eine wunderschöne Gebirgsstrecke im Süden Bulgariens in Richtung Griechischer Grenze. Die einfachen Dörfer am Wegesrand waren voller alter Russischer Lkws, Eselskarren und Obst- und Gemüseständen. Der Autobahn wieder entkommen zu sein war ein gutes Gefühl, da wir sowieso nie schneller als 90km/h fuhren. In Griechenland war es nicht weit bis nach Igoumenitsa und der Fähre nach Ancona in Italien, wo wir uns mit einem Teil von Fabians Familie treffen wollten. Wir verbrachten zwei Wochen in deren Kreise in einem Ferienhaus und konnten erstmals etwas herunterfahren. Die vorherige Woche mit ein bis zwei Grenzübergängen pro Tag und vielen gefahrenen Kilometern war doch sehr stressig und wir entschieden, wann immer möglich von jetzt an ohne Zeitlimit zu fahren. In Italien konnten wir dann unsere verlängerte Nummernschilder und den Grünen Versicherungsschein für Marokko in Empfang nehmen, Reiseführer für die Westafrika bestellen und endlich einen Großteil des Blogs fertigstellen.

Nun sind wir um einiges entspannter und bereit für die kommenden Wochen. Nächster Halt wird Livorno sein, um die Kosten für eine Fährüberfahrt nach Tanger zu erfragen. Unsere Internetsuche ließ uns lediglich unglaublich hohe Preise wie 1500€ mit günstigster Kabine finden. Sollte sich dies als wahr herausstellen, werden wir die Französische und Spanische Küste entlang fahren und bei Gibraltar übersetzen.

Obwohl bisher wenig nach Plan verlief, freuen wir uns stark auf Marokko und Westafrika und sind froh, heute endlich wieder loszufahren. Außerdem sind wir nicht allzu unglücklich darüber, dass wir nun einen guten Grund haben, die Afrikaumrundung komplett zumachen. 🙂

 

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